…dann kann mancher davon profitieren.

Heute wanderte ich durch eine Gasse in der Innenstadt von Passau, auf dem Weg zum Flämischen Schokoladenhaus, um dort Schokolade für einen Besuch morgen zu kaufen. Gleich daneben befindet sich ein altes Schneidwarengeschäft, in das ich nie hineingekommen bin, weil ich es erst nach seiner Schließung Ende letzten Jahres entdeckt hatte. Heute war offen, neugierig wagte ich einen Blick.
Ich fragte, ob es noch Rasiermesser gäbe, und wollte nach negativer Auskunft schon  wieder gehen, als ich eingeladen wurde, mich doch umzusehen. Totalräumung durch die neuen Besitzer stand gestern und heute auf dem Plan. Das ganze Inventar, Möbel, Hausrat, Maschinen, alles stand zur Veräußerung. Ich solle doch in die Werkstatt gehen und mich umsehen. Da ich Zeit hatte, tat ich dies. Ich betrat die Vergangenheit. Das war keine normale Werkstatt, das war eine 150 Jahre alte Messer- und Scherenschleiferei, in der die Zeit still gestanden war.
Ich begann mich unzusehen. Große Maschinen, riesige, uralte Schleifsteine, Abziehmaschinen und vieles mehr sah ich. Dazu kleine, noch verpackte Schleifsteine, aber viel zu grob für meine Zwecke. Auf einem Tisch entdeckte ich so etwas, das wie Griffschalen für Rasiermesser aussah. Tatsächlich, es waren neue, unbenutzte Griffschalen. Dann fand ich noch mehr und schließlich ganze Packungen mit originalverpackten Griffschalen. Zu diesem Zeitpunkt brauchte ich schon eine Schachtel um die Funde tragen zu können.
Dann fiel mein Blick auf Messer. Keine fertigen Messer, sondern in Plastikfolie verpackte, fertige Klingen von Henckels. Friodur-Tafelmesser, für die ich mal Griffe basteln kann. 20 Stück waren es bestimmt. Dazu packte ich noch ein paar herumliegende Griffe ein. Ich wollte schon gehen, als ich über eine Kiste stolperte und mir die Schachtel mit Krimskrams fast aus den Händen fiel. Ich sah in die Übeltäter-Kiste hinein. Wiederum grobe Schleifsteine. Ein feinerer rang um meine Aufmerksamkeit, ich nahm ihn einfach mit. Zurück im demontierten Ladengeschäft nahm ich noch ein paar Rasierklingen mit und eine Ablagetafel von Henckels, auf der früher einmal Ware präsentiert wurde. Ich bezahlte und ging raus, um nebenan Schokolade zu kaufen.

Zu Hause wurden die Funde sortiert: Viele (gut über 50) schöne, neue Griffschalen, darunter welche mit Dovo- und Tennis-Schriftzug, aus Holz, aus Horn, aus Cellidur, aus Celluloid, aus Schiltplatt(-Imitat). In der Schachtel, die ich in der Werkstatt genommen hatte, um die Funde einzusortieren, fand ich ein Päckchen mit Rasiermesserpins und -Nieten sowie etliche lose Nieten.
Die größte Überraschung jedoch war der Schleifstein: Nach dem Reinigen rieb ich ihn mit 1000er-Schleifpapier an. Weiß-grünlicher Schleifschlamm bildete sich, der nach Kalk roch. Der Mikroskopvergleich bestätigte: Das zufällig mitgenommene Steinchen (mit 26×5x2.5cm ein ordentlicher Brocken) war ein gelb-grüner Vorkriegsthüringer von einer Qualität, die es heutzutage nicht mehr gibt. Dem entsprechende Liebhaberpreise werden für diese Steine gezahlt, wenn überhaupt mal jemand einen hergibt…

Im Nachhinein muss ich gestehen, dass ich heute wohl richtig Glück hatte. Wäre ich am Mittwoch schon Schokolade kaufen gegangen, wäre ich heute nicht in dieses Geschäft gekommen und viele schöne Sachen würden nächste Woche durch den Altwarentandler geholt werden. Ein trauriger Gedanke, dass eine Existenz eines hart arbeitenden Schleifers so enden muss, aber immerhin, ein paar Dinge haben ein gutes neues Zuhause gefunden.

Zum Abschluss noch was für die Augen:

Ganz überraschend, ich war gerade bei der Restauration eines Wade & Butcher-Rasiermessers, ereilte mich ein Telefonanruf von einem örtlichen Händler. Der bestellte Thüringer Abziehstein von MST sei da. Beim Auspacken wurden meine Augen groß, handelte es sich tatsächlich um eine grau-grünen Thüringer, also einem Abziehstein von allerfeinster Qualität, wie sie heute nur mehr sehr, sehr schwer zu bekommen sind. Zwar ist er mit 12,5cm Länge sehr kurz, aber länger gibt es diese Steine (derzeit) nicht. Die Körnung soll ungefähr bei 10.000-12.000 liegen. Ein erster Test mit zwei Messern ergab: Ein sehr schönes, fein arbeitendes Steinchen, das keine Wünsche offen lässt. Morgen folgt der Rasurtest, ich erwarte nur das Beste.

Weil ich schon dort war, nahm ich auch noch einen Gosauer Schleifstein mit, von dem ich noch nie was gehört hatte. Es ist ein Sandstein im Banksteinformat. Obwohl als “fein” bezeichnet, ist er sehr grob. Mal sehen, vielleicht ist er zur Vorarbeit für Rasiermesser mit Scharten geeignet. Ich befürchte aber fast, dass er als Sandstein mit den sehr harten Carbonstählen von Rasiermessern Schwierigkeiten haben wird. Mal sehen.

Gleich vorneweg: Hier wird ein englisches Buch behandelt, nicht, dass jemand hinterher sagt “das hätte ich gerne gehabt” aber kein Englisch kann.

Wie viele wissen, sind Bücher im Gebiet der Nassrasur verdammt spärlich gesät. Manchmal liest man(n) vom ArtOfShaving-Buch und manchmal verirrt sich ein deutscher Titel in die Themen, das wars dann aber schon.

Anders Larsen, ein heute in Irland lebender PC-Techniker und vormals Weltenbummler Irisch/Dänischer Herkunft hat die kleine Welt der Rasierbücher um seinen Beitrag “sharp practice. A real man’s guide to shaving” bereichert.

Die Kapitelübersicht:
Chapter 1: The Cut-throat Razor
Chapter 2: The Safety Razor
Chapter 3: The Electric Razor
Chapter 4: Preparation
Chapter 5: The Shave
Chapter 6: Mopping Up
Chapter 7: Stropping and Honing the Cut-throat Razor
Chapter 8: Headshaving
Chapter 9: Common Shaving Problems
Chapter 10: Moustaches and Beards
Chapter 11: Why I Wrote This Book

Es ist keines dieser Bücher, das dem Leser zu 100% erzählt, was er tun und was er nicht tun soll, vielmehr offeriert Anders eine breite Palette an Informationen und Entscheidungshilfen.
Aber auch sonst ist es kein technisches Buch, ganz im Gegenteil, es erinnert fast an einen Dialog mit dem Autor. Schon auf den ersten Seiten, wenn er über seine erste Rasur mit 16 Jahren erzählt, wie er mit Einwegrasierer und Schaum aus der Dose verzweifelt versuchte, dem Flaum Herr zu werden, macht sich ein Grinsen im Gesicht des Lesers breit, so oder so ähnlich verlief wohl die erste Rasur der meisten Forenuser hier.
Vor jedem Kapitel gibt es einen Rückblick in die Geschichte der Rasur, Steinzeit, Römer, Griechen, Mittelalter - alles ist vertreten und - wie der Rest des Buches - locker und süffisant erzählt. Ja, süffisant, es vergeht kaum eine Seite, bei der man nicht schmunzeln muss, denn mit Anekdoten und Erzählungen aus dem eigenen Leben des Autors wurde nicht gegeizt und vieles erinnert an eigene Erfahrungen.
Insgesamt ist es ein breit gefächertes und höchst angenehm zu lesendes Buch geworden. Es richtet sich hauptsächlich an Einsteiger und frühe Fortgeschrittene und auch wenn es niemals so viele Informationen beinhalten kann wie ein großes Internetforum, so werden zumindest alle großen Fragen rund um die Rasur zur vollen Zufriedenheit abgedeckt.

Ein Buch, das ich so jedem Nassrasierer, des des Englischen mächtig ist, nur ans Herz legen kann - auch wunderbar als Geschenk für den Sohn, erfüllt es neben der “Erziehung zur richtigen Rasur” auch den Zweck, dem Sohnemann spielerisch englische Lesepraxis zu geben.

Das Buch (ISBN: 0593057309) hat 168 Seiten, ist hart gebunden, mit einigen Illustrationen zu den Themen, die Anschaulichkeit brauchen und besitzt einen zusätzlichen Papierumschlag. Der empfohlene Preis beträgt 6Pfund für die neue Taschenbuch-Ausgabe und ist im Internet zum Beispiel bei Amazon.de erhältlich.

Kritik ursprünglich erschienen bei nassrasur.com

Eine kleine Anekdote aus meinem Rasiermesserleben:

Heute war ich in einem Teil meiner Studienstadt Passau unterwegs, in dem ich noch nie war, weil ich ein Ganztagsseminar in einer abgelegenen Uni-Zweigstelle besuchte. Auf dem Hinweg fiel mir ein Antiquitätengeschäft auf. In der Mittagspause ging ich hin, um nach alten Rasiermessern zu sehen. Tatsächlich, da waren auch schon welche. 90% war Müll, aber ich sah mir einen unbenutzten Biber-Streichriemen, ein Ern, ein altes Dovo und ein Elliott mit Knochenheft. Beileibe keine Schönheiten, die Messer, aber allesamt restaurierbar. Dazu noch einen alten Fasan-Schrägschnitthobel in versifftem, aber reinigbarem Zustand. Also frug ich, was der Preis für die Ware sei. Ich fiel fast vom Stuhl, als mir der Inhaber erzählen wollte, er nähme normalerweise 80€ pro Messer, weil ich aber mehrere kaufen würde, würde er sie mir für 60 geben. Wie bitte? 60 Euro für Messer, bei dem ich in jedes Stunden an Arbeit stecken muss und die ich, wenn ich sie weiterverkaufen wollte, restauriert nicht für 50€ an den Mann bekomme? In dem Zustand, in dem die Messer waren, dürfte er froh sein, dafür bei Ebay 5€ zu bekommen. Der Biber-Riemen sollte auch 90€ kosten, ich sollte ihn für 60 bekommen, zusammen mit den anderen Sachen. Um das Geld bekomme ich neu fast zwei Riemen. Also machte er mir ein Komplettangebot, alles zusammen für 150€. 50-60€ hätte ich ihm für alles zusammen gegeben - aber auch schon allerallerhöchstens.

Nein, mein lieber Herr, so kommen wir nicht ins Geschäft. Da bleibe ich doch lieber bei ebay.

Achja: Der versiffte Fasan-Hobel mit eingerissener Deckplatte sollte 30€ kosten…

Immer wieder taucht die Frage nach Quellen für Rasiermessernieten und -Pins auf und angehende Messerrestaurateure verzweifeln an der Suche danach. Das Problem: Messingnieten und -Beilagscheiben mit einem Durchmesser von ~1,5mm sind verflixt schwer zu bekommen.

Alles Gute liegt diesmal nicht nah sondern fern, ist aber trotzdem günstig:

1.) Rasiermesserpins
Diese bestelle ich in Kanada bei lee-valley.com Die dort erhältlichen “Brass Escutcheon Pins” haben den Vorteil, dass es bereits sprichwörtlich Nägel mit Köpfen sind, welche die Arbeit sehr einfach machen. Die richtigen sind die “16 Gauge” in 5/8″ Länge. Pro Paket sind 4 amerikanische Unzen drin, was bei dieser Größe in etwa 150 Pins bedeutet.

2.) Rasiermessernieten
Rasiermessernieten, oder besser gesagt, Messingbeilagscheiben, die als Abschlussnieten verwendet werden können, kaufe ich bei microfasteners in den USA. Die richtige Größe ist die “#0″. Davon gibt es eine breitere Variante und eine normale. Die normale ist in etwa so groß wie normale Rasiermessernieten eben groß sind, die breiten sind doppelt so breit und sehen kombiniert mit einer normalen sehr gut und wuchtig bei großen Messern und Schalen aus. Die breiten lassen sich auch als Beilagscheiben fürs Innere verwenden.

Hundertfach ist die Frage in den einschlägigen Rasurforen zu lesen, welche Steine Mann denn zum Schärfen der Rasiermesser kaufen solle. Ebenso zahlreich kommen dann auch die verschiedenen Antworten zurück, die oft mehr verunsichern denn helfen.

Also habe ich mich daran gemacht, eine kleine Empfehlung an Schärfsteinen aufzustellen, mit denen der Anfänger einsteigen kann, an denen er aber auch sein Leben lang Freude haben wird und die auch “nach oben hin” erweiterbar sind.
Abraten kann ich an dieser Stelle nur eindringlich vom oft erwähnten “Kombinations-Einsteigerstein” Sun Tiger oder King mit 1000/6000er Seite. Die 1000er Seite ist gut, die 6000er-Seite für Küchenmesser okay, beim Schärfen von Rasiermessern sind aber daran mehr Einsteiger verzweifelt als mit diesem Stein Erfolge gehabt haben.

1.) Der Vorarbeiter
Für die Grobarbeit und zur Herstellung der Schneidfacette braucht es einen Stein von einer Körnung, die im Bereich von etwa 1000 liegt. Sehr empfehlenswert sind die 1000er-Steine von King und Naniwa, die es etwa bei dick.biz und feinewerkzeuge.de zu erwerben gibt. Kostenpunkt: 20-40€

2.) Der Nacharbeiter
Um den Grat abzuziehen und die Facette vorzupolieren, braucht es einen feineren Stein. Der unangefochtene König in dieser Klasse und meine persönliche Empfehlung (auch wegen des Preises) ist der 4000er von King. Dieser ist auch bei den benannten Shops erhältlich, ich würde aber zu der großen Variante von dick.biz raten, mit der es sich sehr schön arbeiten lässt. Kostenpunkt: 35€

3.) Der Polierer
Nach diesen beiden Steinen benötigt Mann mindestens einen Stein, der die Facette feinpoliert. Dieser sollte in der Gegend von 6000 aufwärts liegen. Erfahrenere Schleifer nehmen mehrere Steine, die bis in Natursteinregionen und Körnungen von  30.000+ vordringen, der Einsteiger nimmt aber von diesen Spezialsteinen Abstand.
Hier einige Wahlmöglichkeiten, die ich persönlich empfehlen kann:
- blauer Belgischer Brocken von belgischerbrocken.com. Günstiger, feiner, natürlicher Wasserabziehstein. Es gibt auch einen gelben Belgier, der ist zwar feiner, aber etwas rauer und benötigt einen sanfteren Stein hinterher. Also lieber den blauen nehmen. 20€ aufwärts und wegen des Preises mein persönlicher Geheimtipp.
- 8000er Naniwa SuperStone von feinewerkzeuge.de Mit fast 70€ sehr teuer, aber auch sehr gut. Eine Frage des Budgets
- 12.000er chinesischer Abziehstein von woodcraft.com Wer den Import aus den USA nicht scheut, der wird mit einem exzellenten Polierer belohnt, der sehr fein ist und eine sehr sanfte Schneide erzeugt. Preislich liegt er, je nach Dollarkurs und gewähltem Versand, zwischen 30 und 45€

4. Pastenriemen
Auf dem Pastenriemen wird nach dem Schärfen der so genannte zweite Schneidenwinkel, der schneidende Grat, erzeugt. Von den im Laden erhältlichen roten, schwarzen und grünen Pasten kann ich aus persönlicher Erfahrung nur abraten. Am Besten nimmt man einen günstigen Lederriemen und besorgt sich im Künstlerbedarf die Acrylfarbe von Lukas “Olivgrün” mit der Nummer “4757″. Damit den Lederriemen glatt bepinseln (2x auftragen, nach dem Trocknen evtl. mit feinem Schleifpapier glatt schleifen) und fertig ist der Pastenriemen, der garantiert funktioniert.

5. Lupe
Oft unterschätzt ist dieses kleine, aber so wichtige Werkzeug, mit dem der Schärffortschritt kontrolliert wird. Mindestens 15x sollte die Vergrößerung schon sein, Einschlaglupen sind beim Optiker oder auch auf Ebay in allen Größen und Preiskategorien verfügbar.

Vorwort zu japanischen Natursteinen:

Japanische Natursteine sind von Stein zu Stein unterschiedlich - keine zwei gleichen sich, und das ist die Schwierigkeit, warum ich von Impulskäufen abrate. Nur wer weiß, worauf er sich einlässt, sollte den Weg des Schärfens mit japanischen Natursteinen beschreiten - es gibt einfachere und schnellere Methoden, die Messer zu schärfen!
Japanische Natursteine braucht man gar nicht versuchen, in Europa in nicht-spezialisierten Handlungen zu kaufen. Spätestens, wenn man die Frage stellt, ob die jetzt für Weiß- oder Blaupapierstahl geeignet sind, steigt jeder Händler aus. Sogar eine bekannte Versandhandelsfirma für Werkzeuge empfiehlt, diese Steine vor Gebrauch zu wässern oder gar gleich komplett in Wasser zu lagern. Wer diesen Rat befolgt, wird in ein paar Jahren keinen Stein mehr, sondern einen desintegrierten, zerbröselten Schlammbrocken besitzen. Japanische Natursteine werden vor Gebrauch nur mit etwas Wasser benetzt und hinterher gut getrocknet. Oft benutzte Steine werden in Japan gar an den Seiten lackiert, um sie zu stützen und vor übermäßiger Wasseraufnahme zu schützen.

Man muss also Glück haben und einen erfahrenen Europäer erwischen oder auf japanische Sammler zurückgreifen, die jeden Stein kennen. Sehr empfehlenswerte Quellen sind Shou Honyama und Japan Tool. So weit zur Vorrede.

Der Nakayama Maruichi Maruka Nihon Kamisori

Hat man auf den vorhergehenden Steinen (empfehlenswert sind feinere japanische Natursteine, es kann aber auch ein Thüringer, Escher, Gelber Belgischer Brocken, Chinesischer 12k oder ein synthetischer Stein dieser Kategorie sein) sauber gearbeitet, kommt bei mir beim Schärfen von Rasiermessern der König der japanischen Natursteine (zumindest für unsere Anwendungen) zum Einsatz: Ein Nakayama Maruichi Maruka mit Nihon Kamisori-Stempel sowie Nashiji-Aussehen. Klartext: Er kommt aus der Mine, die welche der härtesten und feinsten Natursteine produziert hat - dieser Stein wird in etwa um die Zeit des 2. Weltkrieges herum abgebaut worden sein. Der Stein kommt noch von der vorletzten, hochangesehenen Besitzerfamilie von Kato. Dies zeigt der “Maru-Ka” Stempel an. “Maru” bedeutet Kreis, “Ka” ist das erste Zeichen im Familiennamen. Der “Nihon Kamisori”-Stempel bedeutet, dass er für japanische Rasiermesser geeignet ist - diese Stempel bekommen nur die besten Steine ihrer Art, die für den Stahl von Rasiermessern geeignet sind. “Nashiji” bedeutet “Birnenhaut” - der Stein ist mit Sprinklern übersät (wie Birnen eben) und sieht nass absolut wunderhübsch aus. Die Körnung wird normalerweise in Regionen von 20000-40000 angesetzt, kann aber auch noch feiner sein…

Dieser Stein ist extrem hart. Je nach Messer 100-150 Schübe darauf unter höchster Achtsamkeit sind Pflicht. Danach der Haartest, der offenbart, ob man auf den vorhergehenden Steinen sauber gearbeitet hat. War man auf den vorhergehenden Steinen nachlässig, haut er nicht so recht hin. War man aber sorgfältig, so funktioniert der Haartest ohne wenn und aber in 1cm Höhe vom Stein weg.

Dieser Stein produziert eine extrem feine Schneide, die eigentlich nur mehr geledert werden muss und schon kann man losrasieren. Einem Einsatz von Chromoxid- und/oder Eisenoxidriemen nach dem Stein spricht aber nichts entgegen. Der Ansatz bei der Rasur ist butterweich, das Rasurergebnis - ein gutes Messer vorausgesetzt - traumhaft glatt.

Text (hier erweitert erschienen) zuerst veröffentlicht in: http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php?topic=1759.0

Teil 4: Die Quellen (letzter Teil)

Das ist nun der schwierigste Teil. Japanische Rasiermesser sind zum Großteil nur schwer und mit hohem Aufwand zu bekommen. Darüber hinaus steigen die Preise kontinuierlich - viele der alten Meister (wie Tosuke) sind in den letzten Jahren ohne Nachfolger verstorben und die Nachfrage steigt. Das treibt den Preis in die Höhe. Ein Beispiel: Vor einem Monat kostete mich mein echtes Tosuke 180$ - alles inklusive. Der selbe Verkäufer - ein Privatmann aus den USA, der einen Freund in Japan hat, der dort für ihn die Messer auftreibt, bezahlt jetzt für das gleiche Messer im Einkauf 220$ - aber ohne Steuern, Spesen und Versand. Im Verkauf ist dann mit 240-250$ oder gar mehr zu rechnen. Wer so ein Messer will, der sollte besser jetzt noch zugreifen bevor die Preise ganz explodieren. In einem Jahr ist sicher mit 20-30% höheren Preisen zu rechnen.

Wer also ein “normales” Rasiermesser aus Japan will, hat folgende Optionen:
- Kauf in den amerikanischen Foren: Die einfache und beste Lösung. Bei theshaveden.com und straightrazorplace.com tauchen immer wieder mal solche Messer auf
- Direktimport aus Japan: Die umständlichste Variante. Die mir bekannten japanischen Shops verkaufen nur innerhalb von Japan und sind zum Großteil auch nur auf Japanisch. Da braucht man einen Mittelmann. Oder fährt selber hinüber.
- ebay: Für neue Messer NICHT zu empfehlen! Dort verkaufen die amerikanischen Importeure gerne die Ausschussware, die sie den Forenmitgliedern nicht zumuten wollen zu überhöhten Preisen. Also nochmals: VORSICHT! Wer um die Restauration von Messern weiß, der kann sich ein altes Restaurationsobjekt auch bei ebay kaufen, bei neuen Messern ist aber Vorsicht angedacht. Lieber eventuell erst mit mir Rücksprache halten, ich kann die Messer für euch beurteilen.

Eine Option bleibt noch: Der Kauf eines Premium-Messers vom weltweit anerkannten Schwertschmiedemseiter Iwasaki (bzw. gefertigt von seinem Schüler mit 30-jähriger Erfahrung, Mizuochi-san, der der nächste Meister der Schmiede werden wird). Diese Messer sind deutlich teurer als die anderen, aber einfacher zu bekommen und in der Qualität und Rasurleistung das Nonplusultra. Quellen für Schwedenstahl-Iwasakis (für Messer aus Tamahagane, manchmal auch “Ball-Steel” genannt, kenne ich keine Quellen):
- www.rasurpur.de: Die beste Wahl, da die Messer rasurfertig ankommen
- www.warenhaus-schulz.de: Auf Grund des Preises die zweitbeste Wahl
- www.dick.biz

So, das war er, der vierte und letzte Teil zu den japanischen Rasiermessern. Fragen, Kommentare, Anregungen? Immer nur her damit!

Teil 3: Die Rasur und die Lagerung

Haben wir nun ein optimal geschärftes Messer, kann es an die Rasur gehen. gehalten wird das Messer in einer ganz natürlichen Position, wie sie bequem ist. ich platziere meinen Daumen unten und meine restlichen Finger auf der oberen Seite. Nehmt einfach die Position, die euch am besten zusagt. Wie eingangs schon erwähnt, kann das japanische Rasiermesser beidseitig verwendet werden. Zu beachten ist, dass der Rasurwinkel durch den unterschiedlichen Schliff der beiden Seiten unterschiedlich ist. An den Koteletten beginnen, erst flach, dann immer steiler werden. So herausfinden, ab wann das Messer greift. Ihr werdet schnell sehen: Durch die geringe Länge der Schneide des Messers (45-60mm) ist die Rasur nach kurzer Eingewöhnung (kürzer als bei europäischen Messern) viel einfacher, besonders bei den Problemzonen, da die Manövrierfähigkeit ausgezeichnet ist.

Zur Lagerung des Rasiermessers empfiehlt sich die (meist) beigelegte Schatulle. Besteht diese nur aus Holz, kann eine Einlage aus Stoff oder Kautschuk, Gummi etc. die Schneide vor Beschädigung schützen.

Teil 2: Das Schärfen

Traditionell werden für japanische Rasiermesser japanische Natursteine empfohlen. Da diese aber sehr teuer und kaum zu bekommen sind, brauchen wir Alternativen.
Noch eine Anmerkung: Japanische Rasiermesser brauchen eine ruhige Hand und Vorwissen. Wer noch nie ein Rasiermesser geschärft hat, sollte sich nicht gleich an den Japanern versuchen. Lieber das Messer zu einem erfahrenen Rasiermesserschärfer (ihr könnt auch gerne mich fragen) schicken.

Anhaltspunkte:
- Japanische Schleifsteine mögen “langsame”, nicht zu aggressive Steine
- Synthetische Steine der Kategorie 10.000 und 12.000 funktionieren, sind aber kein Muss
- optimal sind japanische Natur-Feinabziehsteine (z.B. ein Nakayama mit Nihon Kamisori-Stempel)
- durch seine Langsamigkeit ist hier gerade der Manufaktum- oder ein Vorkriegsthüringer ein exzellenter Polierstein für den Feinabzug
- Ein Beispiel für eine gut funktionierende Steinaufstellung: 1000er Japaner (synth.) - 4000er Japaner (synth.) - Blauer Belgischer Brocken - Gelber Belgischer Brocken (diesen vorsichtig verwenden und mit geringem Druck) - Feinabzug auf einem Thüringer
- Sehr gut bekommen diesen Messern Pastenleder. NICHT zu empfehlen sind Diamantpasten, diese sind zu aggressiv. Chromoxid, eventuell gefolgt von Eisenoxid, stellt das Optimum dar.

Wie werden diese Messer geschärft?
Man immer wieder davon, dass die Messer in einem Verhältnis von 3:2 abgezogen werden - Drei Schübe hin- und zurück (jawohl, ziehen und schieben!) auf der geraden, 2 Schübe hin und zurück auf der gehohlten Seite. Dies kann man so eng sehen, muss man aber nicht - sogar die Japaner widersprechen sich in den Angaben. Sicher nichts falsch macht, wer die Messer wie jedes andere auch schärft. Hier ein paar Anhaltspunkte:

- Auf dem 1000er und 4000er sowie auf aggressiven Steinen wie dem GBB nur normale Schübe, keine Züge, sonst bildet sich ein “Burr” genannter Schleifgrat von überstehendem Material aus, der unerwünscht ist.
- Auf den feineren und sanfteren Steinen ebenfalls “normal” schieben und manchmal (alle 4-5 Schübe oder so) einen Zug einbauen
- generell etwas mehr Druck verwenden als bei europäischen Rasiermessern
- Mit dem Chromoxid vorsichtig umgehen, 5-10 Züge sollten ausreichen. Der Haartest kommt bei diesen Messern normalerweise schon nach dem feinsten Stein
- Ganz normal ledern
- sich über die Schärfe freuen ;)

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